Neuer Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Bad Hersfeld, 28. Oktober 2009 ----- Seit 16. September 2009 leitet Prof. Dr. med. Johannes Scheele die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Bad Hersfeld. Er folgt Prof. Dr. Ulrich Krause, der aus persönlichen Gründen eine Tätigkeit im Ruhrgebiet übernommen hat.
Scheele absolvierte sein Studium in Würzburg und München. Nach kurzer Tätigkeit an den Städtischen Krankenanstalten in Bayreuth durchlief er seine Ausbildung zum Chirurgen am Universitätsklinikum Erlangen. Dort war er insgesamt 20 Jahre lang tätig, unterbrochen von einigen Auslandsaufenthalten, etwa einer 4-monatigen Gastprofessur an der bekannten Mayo-Clinic in Rochester, U.S.A. Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren ausgedehnte Operationen bei Entzündungen und Tumoren, vornehmlich an Dick- und Enddarm, Magen, Lunge, Bauchspeicheldrüse, Gallenblase und Gallenwegen und ganz besonders der Leber. Hier zählt er mit über 1.500 selbst durchgeführten Eingriffen zu den weltweit führenden Experten. Ab 1992 hat Scheele erfolgreich die Lebertransplantation in Erlangen aufgebaut.
Seit April 1995 wirkte Scheele als Ordinarius für Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und war Leiter der zugehörigen Klinik. Die dortige Tätigkeit war von einer steilen Aufwärtsentwicklung seines Verantwortungsbereichs und vielfältigen Innovationen gekennzeichnet. In der Lebertransplantation lag seine Klinik zuletzt mehrere Jahre lang auf dem 5. Rang in Deutschland, vor weit größeren Städten wie München, Erlangen-Nürnberg, Köln, Frankfurt oder Leipzig. Wenngleich dieser spektakuläre Bereich in der Mediendarstellung dominierte, standen im klinischen Alltag schon damals jene Behandlungsverfahren im Vordergrund, die auch für die jetzige Tätigkeit in Bad Hersfeld bedeutsam sind.
Von November 2004 bis September 2009 war Scheele Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie an der Rhön-Saale-Klinik Bad Neustadt. Dort entwickelte er den neu gegründeten Arbeitsbereich zu einem in der Region führenden Zentrum. Wesentliches Kennzeichen war die konsequente Etablierung der sog. Schlüssellochchirurgie. Am Ende seiner Tätigkeit wurden nahezu alle Operationen wegen Blinddarmentzündung, Gallenblasenleiden, Refluxbeschwerden, Bauchwandbrüchen und Dickdarmerkrankungen in dieser schonenden Technik vorgenommen. Als einer von sehr wenigen Chirurgen in Deutschland führte er auch ausgedehnte Tumorentfernungen am Magen, an der Bauchspeicheldrüse oder an der Leber bei mehr als der Hälfte der Patienten in dieser Technik durch.
Der neuen Aufgabe in Bad Hersfeld will sich Scheele in enger Zusammenarbeit mit den bestehenden Abteilungen des Hauses – allen voran der Anästhesie, der Gastroenterologie/Hepatologie und der Medizinischen Onkologie - und den niedergelassenen Ärzten mit voller Kraft widmen. Seit Beginn seiner Tätigkeit zählen auch hier große Operationen an den Bauch- und Brustorganen verstärkt zum klinischen Alltag; So wurden innerhalb der ersten 5 Wochen über 30 Dickdarmeingriffe, knapp 10 Operationen an der Leber und große Operationen an Bauchspeicheldrüse und Lunge erfolgreich vorgenommen. Daneben soll aber gerade die sog. „kleine Chirurgie“ besonders gepflegt werden, also jenes Spektrum, das für die Bevölkerung von Bad Hersfeld und Umgebung wegen der Häufigkeit dieser Krankheiten im Vordergrund steht. Hier wie auch bei den größeren Operationen wird die schonende minimal-invasive Technik, im Volksmund besser als „Schlüsselloch-Chirurgie“ bekannt, eine dominierende Stellung einnehmen. Ein entsprechender Operationssaal wird in wenigen Wochen fertig gestellt. Besonderes Augenmerk gilt daneben Eingriffen an Schilddrüse und Nebenschilddrüse, die schon unter Scheele’s Vorgänger Prof. Krause einen hohen Stellenwert hatten. Hier sollen verfeinerte Operations- und Kontrollverfahren – etwa durch ein eben angeschafftes Gerät zur kontinuierlichen Überwachung der Stimmbandfunktion – die Sicherheit für die Patienten weiter erhöhen. Über das bisherige Spektrum hinaus werden operative Eingriffe an der Lunge bei gut- und bösartigen Erkrankungen sowie minimal-invasive Verfahren bei extremem Übergewicht (sog. Adipositaschirurgie) entwickelt.
Dieses breit gefächerte Spektrum medizinischer Kompetenz soll den Patienten in betont ganzheitlicher menschlicher Zuwendung geboten werden. Dazu wurde aus schon am Haus tätigen ärztlichen Mitarbeiter(innen) und zwei aus Bad Neustadt mitgekommenen Ärzten ein homogenes Team gebildet. In enger Verzahnung mit der Pflege und der Administration sollen sich die Patienten in der Klinik nicht nur medizinisch kompetent betreut, sondern menschlich ernst genommen und behütet fühlen.
Das Klinikum Bad Hersfeld freut sich, in Prof. Scheele einen fachlich profilierten und von menschlichem Engagement geprägten Chirurgen für das Haus und die Region gewonnen zu haben.








