Ihr Behandlungsweg im Darmkrebszentrum
Ihr Weg im Darmkrebszentrum – verständlich begleitet, medizinisch strukturiert
Eine Diagnose wie Darmkrebs ist für viele Menschen ein großer Einschnitt. Häufig tauchen plötzlich viele Fragen auf: Was passiert als Nächstes? Welche Untersuchungen kommen auf mich zu? Welche Behandlung ist für mich sinnvoll?
Mit der folgenden Übersicht möchten wir Ihnen den typischen Behandlungsweg im Rahmen des im Aufbau befindlichen Darmkrebszentrums am Klinikum Bad Hersfeld darstellen – Schritt für Schritt vom ersten Verdacht bis zur Nachsorge. Dabei gilt: Sie sind nicht allein. Unsere spezialisierten Pflegekräfte und Behandlungsteams koordinieren Termine, erklären Ihnen jeden Schritt verständlich und sind für Ihre Fragen da – von der Operation bis zur Nachsorge.
1) Verdacht, Vorsorge und Kontaktaufnahme
Ein möglicher Hinweis auf Darmkrebs kann z. B. ein auffälliger Stuhltest, Blut im Stuhl, anhaltende Bauchbeschwerden, veränderte Stuhlgewohnheiten oder ein Zufallsbefund sein. Häufig erfolgt die Überweisung durch Hausärzt:innen oder niedergelassene Gastroenterolog:innen. Sie können sich aber auch zur Zweitmeinung vorstellen oder selbst entscheiden, wo die weitere Behandlung stattfinden soll.
Warum Vorsorge so wichtig ist: Darmkrebs entsteht oft langsam über Jahre aus zunächst gutartigen Vorstufen (Polypen/Adenomen). Diese können bei einer Darmspiegelung entdeckt und häufig direkt entfernt werden – dadurch lässt sich Darmkrebs in vielen Fällen verhindern oder sehr früh heilen.
2) Erstvorstellung: Ankommen, verstehen, planen
Beim ersten Termin:
- erfassen wir Ihre Krankengeschichte,
- untersuchen Sie körperlich,
- sichten alle bereits vorhandenen Unterlagen.
Bringen Sie nach Möglichkeit Befunde mit (Arztberichte, Laborwerte, Endoskopieberichte sowie CT-/MRT-Bilder). Gemeinsam mit Ihnen planen wir die nächsten Schritte. Sie erhalten verständliche Informationen dazu, was genau untersucht wird, wie Untersuchungen ablaufen und welche Fragen sie beantworten.
3) Diagnostik und Diagnosesicherung: Was wird untersucht?
Um sicher feststellen zu können, ob Darmkrebs vorliegt und wie weit er sich ausgebreitet hat (Staging), kombinieren wir Gewebeuntersuchung und moderne Bildgebung. Daraus ergibt sich das Tumorstadium – es ist entscheidend für die Therapieplanung.
Typische Bausteine der Diagnostik können sein:
- Endoskopie
- Koloskopie (Darmspiegelung) mit Probeentnahmen (Biopsien); Polypen oder frühe Veränderungen können oft direkt entfernt werden.
- Rektoskopie (Mastdarmspiegelung) zur genauen Lagebestimmung bei Mastdarmtumoren.
- Endosonografie (endoskopischer Ultraschall) – besonders wichtig zur Abschätzung der Tiefenausdehnung und möglicher Lymphknotenbeteiligung im Mastdarmbereich.
- Laboruntersuchung
- Bildgebung mittels Ultraschall, CT und MRT
Alle Ergebnisse werden zusammengeführt, damit die Therapie nicht „nach Schema“, sondern passend zu Ihrer Situation geplant werden kann.
4) Interdisziplinäre Tumorkonferenz: gemeinsam die beste Strategie
Sobald alle notwendigen Befunde vorliegen, wird Ihr Fall in der interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen. Dort beraten u. a. Chirurgie, Gastroenterologie, Onkologie, Radiologie, Pathologie und Strahlentherapie gemeinsam über die beste Behandlungsstrategie.
Die Empfehlung orientiert sich an aktuellen Leitlinien und wissenschaftlichen Erkenntnissen – und berücksichtigt zugleich Ihre gesundheitliche Gesamtsituation, Ihre Wünsche und Ihre Lebensplanung.
5) Therapieentscheidung und Behandlung: Sie entscheiden mit
Im Anschluss bespricht Ihre behandelnde Ärztin bzw. Ihr behandelnder Arzt die Empfehlung ausführlich mit Ihnen:
- welche Schritte geplant sind,
- welche Alternativen es gibt,
- welche Chancen und Risiken bestehen.
Erst wenn Ihre Fragen geklärt sind, legen wir gemeinsam das konkrete Vorgehen fest. Je nach Tumorart, -lage und Stadium kommen infrage:
- Operation (zentraler Baustein, besonders im frühen Stadium oft mit sehr guten Heilungschancen),
- endoskopische Verfahren bei geeigneten frühen Befunden,
- Chemotherapie (systemische Therapie),
- Strahlentherapie (v. a. bei bestimmten Mastdarmtumoren),
- oder eine Kombination (z. B. neoadjuvante Chemo-/Strahlentherapie vor einer Operation).
Begleitung während der Behandlung: Während eines stationären Aufenthalts unterstützen Sie neben Ärzt:innen und Pflege auch Physiotherapie, Ernährungsberatung sowie Stoma- und Wundtherapie. Je nach Bedarf stehen Psychoonkologie, Schmerztherapie, Sozialdienst, Seelsorge, ambulante Pflegedienste und Selbsthilfeangebote zur Seite.
6) Ihr Aufenthalt in der Allgemein- und Viszeralchirurgie
Damit Sie wissen, was Sie erwartet, möchten wir Ihnen den typischen Ablauf rund um Ihre Operation verständlich und Schritt für Schritt erklären:
- Aufnahme am Vortag der Operation: Sie werden mit der Einweisung Ihrer Hausärztin bzw. Ihres Hausarztes aufgenommen. An diesem Tag führen Sie in Ruhe die Gespräche mit dem chirurgischen Team und der Anästhesie, klären offene Fragen und bereiten gemeinsam alles für den Eingriff vor.
- Tag der Operation: Der geplante Eingriff wird durchgeführt. Unser Team begleitet Sie dabei eng und sorgt für eine sichere und sorgfältige Behandlung.
- Überwachung auf der Intensivstation (1–2 Tage): Nach der Operation werden Sie zunächst intensivmedizinisch betreut und überwacht, damit sich Ihr Körper gut von dem Eingriff erholen kann.
- Weiterbehandlung auf der Station: Anschließend wechseln Sie auf eine normale Station. Dort unterstützen wir Sie Schritt für Schritt bei der Mobilisation, beim Kostaufbau und bei der weiteren Genesung.
- Entlassung nach Hause: Bei einem unkomplizierten Verlauf ist eine Entlassung meist etwa sieben Tage nach der Operation möglich.
- Individuelle Weiterbehandlung: Wie es danach weitergeht, planen wir gemeinsam mit Ihnen – abgestimmt auf Ihre persönliche Situation und Ihren weiteren Behandlungsbedarf. Wenn Sie im Anschluss eine Anschlussheilbehandlung (AHB) wünschen, sprechen Sie uns gerne an – wir leiten die notwendigen Schritte für Sie in die Wege.
So möchten wir Sie während Ihres gesamten Aufenthalts bestmöglich begleiten.
7) Entlassung und Nachsorge: Sicherheit nach der Akutbehandlung
Schon vor der Entlassung planen wir mit Ihnen die nächsten Schritte:
- schriftlicher Entlassungsbericht für weiterbehandelnde Ärzt:innen,
- individueller Nachsorgeplan,
- Empfehlungen für Kontrollen (z. B. erneute Darmspiegelung, Bildgebung, Labor),
- Informationen zu Reha, beruflicher Wiedereingliederung und möglichen sozialrechtlichen Ansprüchen.
Warum Nachsorge so wichtig ist: Nach der Akuttherapie geht es darum, Rückfälle oder neue Polypen/Tumoren früh zu erkennen. Polypen können bei Nachsorge-Darmspiegelungen häufig direkt entfernt werden. Auch Metastasen (z. B. in der Leber) sind in ausgewählten Fällen operativ behandelbar. Gleichzeitig behalten wir Ihre Lebensqualität im Blick – körperlich und seelisch.
Die wichtigsten Grundlagen
Wozu dient der Darm?
Der Dünndarm nimmt Flüssigkeit und Nährstoffe auf (ca. 2,5–4 m). Der Dickdarm (Kolon, ca. 1,2–1,8 m) entzieht Wasser und dickt den Stuhl ein. Im Mastdarm (Rektum, ca. 15 cm) wird der Stuhl bis zur Entleerung gespeichert; der Schließmuskel sorgt für Kontinenz.
Was ist Krebs?
Bösartige Tumoren entstehen durch entgleiste Zellteilung. Tumorzellen können in Nachbargewebe einwachsen und über Blut- oder Lymphbahnen streuen – dadurch können Metastasen entstehen.
Was ist Darmkrebs?
Meist handelt es sich um Krebs des Dickdarms (Kolonkarzinom) oder Mastdarms (Rektumkarzinom); Dünndarmkrebs ist selten. Häufig entwickelt sich Darmkrebs aus gutartigen Vorstufen (Polypen/Adenomen) über viele Jahre.
Warnzeichen, Risiken, Vorbeugung – worauf Sie achten sollten
Mögliche Warnzeichen (bitte abklären lassen):
- Blut im Stuhl, Blutarmut (Anämie),
- anhaltende oder neue Stuhlveränderungen (Durchfall/Verstopfung, Wechsel),
- Bauchkrämpfe, Stuhldrang ohne Entleerung,
- ungewollter Gewichtsverlust, zunehmende Schwäche, ausgeprägte Müdigkeit,
- tastbare Verhärtungen/geschwollene Lymphknoten (selten, eher später).
- Risikofaktoren können sein:
- familiäre Belastung / bestimmte erbliche Syndrome,
- ballaststoffarme, fleischreiche Ernährung,
- Bewegungsmangel, Übergewicht,
- hoher Alkoholkonsum, Rauchen,
- chronisch entzündliche Darmerkrankungen.
Was Sie selbst tun können (ohne Garantie, aber sinnvoll):
- normales Gewicht anstreben, regelmäßig bewegen,
- pflanzenbetonte Ernährung, Vollkorn bevorzugen,
- rotes/hochfettes Fleisch begrenzen,
- Alkohol reduzieren, nicht rauchen.
Prävention und Vorsorge: Was wird empfohlen?
- Darmkrebs ist bei früher Entdeckung häufig heilbar – und durch Vorsorge teilweise vermeidbar, weil Vorstufen entfernt werden können.
- Typische Vorsorgebausteine (gesetzliche Früherkennung, abhängig von Alter/Risiko):
- Test auf Blut im Stuhl (bei manchen Programmen regelmäßig),
- Darmspiegelung (Koloskopie) als „Goldstandard“ zur Früherkennung, mit Wiederholung in festgelegten Abständen bei unauffälligem Befund,
- bei familiärem Risiko: Vorsorge meist früher und engmaschiger (z. B. 10 Jahre vor Erkrankungsalter des Angehörigen, spätestens ab 50).
Die genaue Empfehlung richtet sich nach Ihrem individuellen Risiko (u. a. Familienanamnese, Vorerkrankungen).
Jennifer Ebinger

Jennifer Ebinger
Koordinationsassistentin
Darmkrebszentrum
Klinikum Bad Hersfeld GmbH
Seilerweg 29
36251 Bad Hersfeld
Tel.: 06621 / 88 1526
Fax: 06621 / 88 1530
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