Klinikum bereit für mehr Geburten
Bad Hersfeld/Schwalmstadt – Schwerer Schlag für die medizinische Versorgung in der Region: Der Klinikbetreiber Asklepios informierte kürzlich über die Schließung der Geburtsabteilung in der Asklepios Klinik Schwalmstadt zum 1. Januar 2027. Werdende Eltern müssen dann für eine geburtshilfliche Versorgung auf die Kliniken in Bad Hersfeld, Fritzlar und Marburg ausweichen. Was das für das Klinikum Hersfeld-Rotenburg bedeutet, darüber sprachen wir mit der Geschäftsführung. Dazu Fragen und Antworten:
Rechnet das Klinikum Hersfeld-Rotenburg infolge der Schließung der Geburtshilfe in Schwalmstadt mit einem Anstieg der Geburtenzahlen?
Grundsätzlich sei davon auszugehen, dass sich ein Teil der werdenden Eltern nach der angekündigten Schließung der Geburtshilfe in Schwalmstadt neu orientieren werde. Ob und in welchem Umfang sie sich für eine Entbindung oder eine gynäkologische Versorgung im Klinikum Bad Hersfeld entscheiden, lässt sich derzeit jedoch noch nicht verlässlich prognostizieren, wie es vom Klinikum heißt.
Sieht sich das Klinikum in Bad Hersfeld ausreichend aufgestellt für einen möglichen Anstieg?
Das Klinikum Bad Hersfeld sei als leistungsfähiger und vertrauensvoller Versorger der Region gut aufgestellt und könne sowohl werdenden Eltern als auch Frauen eine umfassende und sichere geburtshilfliche und gynäkologische Versorgung anbieten. Die Geschäftsführung des Klinikums Hersfeld-Rotenburg war mit den Verantwortlichen in Schwalmstadt im Austausch und hat ausdrücklich ihre Bereitschaft signalisiert, bei der Sicherstellung der Versorgung in der Region unterstützend mitzuwirken.
Wie viele Geburten verzeichnete das Klinikum Bad Hersfeld 2023, 2024 und 2025?
Im Klinikum Bad Hersfeld wurden folgende Geburten verzeichnet: 2023: 834 Geburten; 2024: 838 Geburten; 2025: 802 Geburten. Die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe wird seit 2026 von Chefarzt Dr. Boris Goldmann geleitet. Zum geburtshilflichen Leitungsteam gehören unter anderem die Leitende Oberärztin Tina Liebau und Oberärztin Tanja Dambor.
Für wie viele Geburten ist die Geburtshilfe derzeit maximal ausgelegt?
Eine starre jährliche Höchstzahl lässt sich für eine Geburtshilfe nur bedingt angeben, da die tatsächliche Kapazität unter anderem von der zeitlichen Verteilung der Geburten und der jeweiligen Betreuungssituation abhängt. Der in den vergangenen Jahren modernisierte Kreißsaal des Klinikums Bad Hersfeld hat in der Vergangenheit bereits mehr als 1000 Geburten pro Jahr bewältigt. Die räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen seien daher grundsätzlich auch für eine Steigerung der Geburtenzahlen ausreichend dimensioniert.
Ist das Klinikum personell und räumlich auf eine steigende Zahl von Geburten vorbereitet?
Ja. Aufgrund des modernisierten und entsprechend dimensionierten Kreißsaals bestünden gute räumliche Voraussetzungen. Auch personell und medizinisch sei die Geburtshilfe für das Leistungsgeschehen gut und leistungsfähig aufgestellt. Das Klinikum Bad Hersfeld biete ein umfassendes geburtshilfliches und gynäkologisches Leistungsspektrum und könne Patientinnen sowie werdenden Eltern eine sichere und verlässliche Versorgung anbieten. Die Sicherheit von Mutter und Kind habe dabei stets oberste Priorität. „Unsere Bereitschaft, einen Beitrag zur weiterhin sicheren regionalen Versorgung zu leisten, haben wir den Verantwortlichen in Schwalmstadt frühzeitig mitgeteilt“, betont die Geschäftsführung.
Sind zusätzliche Hebammen, Pflegekräfte oder ärztliche Mitarbeitende erforderlich oder bereits eingeplant?
Aktuell bestehe infolge der angekündigten Schließung kein konkret festgestellter zusätzlicher Personalbedarf. Die Entwicklung der Anmeldungen und Geburtenzahlen würde selbstverständlich fortlaufend beobachtet. Sollte sich daraus ein zusätzlicher Bedarf ergeben, werde das Klinikum rechtzeitig reagieren.
Könnte das Klinikum Bad Hersfeld von der Schließung profitieren, indem Hebammen oder Ärztinnen und Ärzte aus Schwalmstadt übernommen werden?
Das Klinikum betrachte die Schließung einer geburtshilflichen Abteilung nicht unter dem Gesichtspunkt eines möglichen wirtschaftlichen oder personellen Vorteils. Sie stellt vielmehr eine erhebliche Veränderung der regionalen Versorgungsstruktur dar, die vor allem für werdende Eltern und die dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bedeutung ist. Die Geschäftsführung habe deshalb frühzeitig signalisiert, sowohl bei der Versorgung der Patientinnen und werdenden Eltern als auch hinsichtlich beruflicher Perspektiven für frei werdendes Personal unterstützend zur Verfügung zu stehen.
Gibt es bereits Gespräche oder Abstimmungen mit dem Asklepios Klinikum Schwalmstadt zur Übergangsphase?
Ja. Die Geschäftsführung des Klinikums Hersfeld-Rotenburg sei bereits frühzeitig mit den Verantwortlichen in Schwalmstadt im Austausch gewesen. „Dabei haben wir unsere grundsätzliche Bereitschaft erklärt, die Übergangsphase konstruktiv zu begleiten und im Rahmen unserer Möglichkeiten Unterstützung anzubieten. Dies betrifft sowohl die Versorgung werdender Eltern, die sich künftig nach einer anderen Geburtsklinik orientieren müssen, als auch die beruflichen Perspektiven der von der Schließung betroffenen Beschäftigten.“ (Quelle: HZ v. 22.06.2026 DANIEL GÖBEL)

