Der Fuß – hält die Balance im Alltag
Unsere Füße tragen uns durchs Leben. Bei jedem Schritt lastet das gesamte Körpergewicht auf nur einem Fuß – beim Gehen, Stehen oder Laufen. Diese hohe Belastung macht den Fuß anfällig für Fehlstellungen, Überlastungen, Abnutzungserscheinungen und Verletzungen. Schmerzen im Fuß wirken sich deshalb oft unmittelbar auf Mobilität und Lebensqualität aus.
Moderne Fußorthopädie setzt zunächst auf konservative Behandlungen, etwa mit geeigneten Schuhen, Einlagen oder physiotherapeutischen Maßnahmen. Unser Ziel ist es immer, eine Operation zu vermeiden, wenn dies möglich ist. Bleiben die Beschwerden jedoch bestehen oder nehmen sie zu, kann ein operativer Eingriff sinnvoll werden.
Häufige Erkrankungen des Fußes
Hallux valgus
Der Hallux valgus oder auch Ballenzehe ist die häufigste Fehlstellung des Fußes. Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus einer nach außen hin abweichende Großzehe und einem nach innen gerichteten ersten Mittelfußstrahl. Dadurch wird der Vorfuß breiter und der Großzehenballen wölbt sich vor. Der Anteil der betroffenen Frauen ist fünfmal höher. Die Beschwerden betreffen in erster Linie den prominenten Großzehenballen, welche durch zu enges
Schuhwerk noch forciert werden können. Primär wird eine konservative Therapie für einen Zeitraum von 3 Monaten empfohlen. Diese umfasst eine medikamentöse Schmerztherapie, das Anpassen des Schuhwerks, das Tragen einer
Nachtlagerungsschiene sowie physiotherapeutische Beübung. Die operative Therapie richtet sich nach dem Grad der Deformität, hier unterscheidet man die leichte/moderate von der schweren Form. Unterteilt wird der Eingriff in eine weichteilige Rezentrierung des Großzehengrundgelenks und eine knöcherne Umstellung. Die primäre Heilungszeit nach Operation beträgt in etwa 8 bis 12 Wochen und beinhaltet das Tragen eines Verbandsschuhs und einer Nachtlagerungsschiene für 6 Wochen.
Hallux rigidus
Unter einem Hallux rigidus versteht man die arthrosebedingte Einsteifung des Großzehengrundgelenks mit Ausbildung von Knochenvorsprüngen (Osteophyten) des fußrückenseitigen Gelenks. Oft beklagen Patienten ein Mischbild aus Schwellung sowie bewegungs- und belastungsabhängigen Gelenkschmerzen, die durch das Tragen falschen Schuhwerks noch verstärkt werden. Die konservative Therapie stellt die primäre Therapie im Anfangsstadium dar. Diese umfasst die Behandlung einer Entzündungsreaktion mittels entzündungshemmender Substanzen, Kälteapplikation und Physiotherapie zum Erhalt der Gelenkbeweglichkeit. Eine Einspritzung von Kortison und/ oder einem Lokalanästhetikum in das Gelenk kann die Beschwerden ebenfalls für einen gewissen Zeitraum lindern. Auch Hyaluronsäure kann einen positiven Effekt erzielen, hier ist die Studienlage aktuell jedoch nicht eindeutig. Des Weiteren sollte das Schuhwerk angepasst werden. Bei fortgeschrittenem Stadium sollte eine operative Versorgung in Erwägung gezogen werden. In den frühen Stadien kann eine Cheilektomie durchgeführt werden. Hierbei werden die fußrückenseitigen Knochenanbauten sowie ein Teil der arthrotisch veränderten Gelenkfläche entfernt. Bei der endgradigen Arthrose kommt nur noch die Gelenkversteifung (Arthrodese) in Frage. Die Nachbehandlung beinhaltet das Tragen eines Verbandsschuhs in Teilbelastung für 6 Wochen.
Kleinzehendeformitäten
Zehendeformitäten können dauerhaft nur durch eine Operation korrigiert werden. Die Hammerzehe weist eine Überstreckung im Zehengrundgelenk sowie eine Beugung im Mittelgelenk auf. Bodenkontakt mit der Zehenspitze ist noch möglich. Operativ muss man zwischen einer flexiblen und einer rigiden Fehlstellung unterscheiden. Bei der flexiblen Hammerzehe ist die Beweglichkeit im Mittelgelenk noch erhalten und eine passive Korrektur kann durchgeführt werden. Hier ist lediglich ein Transfer der langen Beugesehne notwendig. Bei der rigiden Form kann das Gelenk nicht mehr passiv korrigiert werden. Neben dem o.g. Sehnentransfer muss zusätzlich noch das Mittelgelenk versteift werden. Die Nachbehandlung richtet sich nach der Operationsmethode und variiert z ischen einer 3 bis 6 wöchigen Teilbelastung im Verbandsschuh. Bei der Krallenzehe liegt eine Ausrenkungmit Überstreckung im Grundgelenk sowie Beugung im Mittel- und Endgelenk vor. Bodenkontakt ist nicht mehr möglich. Ziel einer Operation ist die Korrektur der Fehlstellung im Zehengrundgelenk. Dies erreicht man durch eine „Metatarsaleköpfchenverschiebe-Osteotomie“, bei der das Mittelfußköpfchen horizontal durchgesägt und dann bodenwärts verschoben und mit einer Schraube fixiert wird. Auch hier wird für 6 Wochen im Verbandsschuh unter Teilbelastung nachbehandelt. Der Schneiderballen ist das Äquivalent der 5. Kleinzehe zum Hallux valgus der Großzehe. Der Unterschied ist, dass die Kleinzehe nach innen und der Mittelfußstrahl nach außen hin abweichen. Ursächlich können ein zu großes Mittelfußköpfchen, eine Krümmung des Mittelfußknochens nach außen oder ein vergrößerter Winkel zwischen dem 4. und 5. Mittelfußstrahl sein. Operativ werden äquivalente Eingriffe wie beim Hallux valgus durchgeführt. Beim Digitus quintus varus superductus handelt es sich um eine Deformität ähnlich der des Schneiderballens mit dem Unterschied, dass sich 4. und 5. Zehe überlappen. Ursächlich ist eine Verkürzung der Strecksehne. Operativ wird die lange Strecksehne abgelöst, um den 5. Strahl
geschlungen und mit der Sehne des Kleinzehenspreizers (Musculus abductor digiti minimi) vernäht.
Metatarsalgie
Diese beinhaltet unterschiedliche Krankheitsbilder als Ursache für Schmerzen unter den Mittelfußköpfchen 2 – 4. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen struktureller und biomechanischer Ursache. Häufige Ursachen für eine strukturelle Metatarsalgie sind eine Schädigung des Knorpels, Arthrose, Morton-Neurom, rheumatische Erkrankungen und Ermüdungsfrakturen. Verantwortlich für eine biomechanische Metatarsalgie ist die Überlastung bzw. Schädigung der plantaren Kapselstrukturen des Grundgelenks. Operativ wird hier eine Verschiebeosteotomie des Mittelfußköpfchens durchgeführt (s. Kleinzehendeformität/ Krallenzehe). Gegebenenfalls muss noch eine Stabilisierung des Gelenks durch eine Naht der Gelenkkapsel oder einen Beugesehnentransfer erfolgen.
Chronische Achillessehnenruptur
Diese liegt definitionsgemäß vor, wenn zwischen Riss und Behandlungsbeginn mehr als 4 Wochen liegen und ist abhängig von dem Zeitpunkt, ab dem eine direkte Sehnennaht nicht mehr möglich ist. Hauptargumente für die Sehnenrekonstruktion sind die Gangunsicherheit und die damit erhöhte Sturzgefahr, insbesondere bei älteren Menschen. Bei jüngeren Patienten sollte zum Erhalt eines physiologischen Gangbildes und der Belastungsfähigkeit grundsätzlich eine Operation angestrebt werden. In Abhängigkeit der Länge des Sehnendefekts können unterschiedliche Operationsmethoden angewandt werden. Bei kürzeren Defektstrecken kann eine VY-Plastik oder Umkippplastik (ein Versatz des Sehnenspiegels am Übergang von Sehne zu Muskel) durchgeführt werden. Bei längerstreckigen Defekten sollte auf ein Sehnentransfer (Ablösen der langen Beugesehne der Großzehe und Verankerung mit dem Fersenbein auf Höhe des Ansatzes der ursprünglichen Achillessehne) oder ein körpereigenes Sehnentransplantat (Sehne des Musculus gracilis und/ oder Musculus semitendinosus) zurückgegriffen werden. Die Nachbehandlung wird in einem speziellen Stiefel für 6 bis 9 Wochen durchgeführt, der zur Entlastung des Transplantats entsprechend variiert werden kann.
Haglund-Exostose
Dies ist eine knöcherne Ausziehung (Überbein) des Fersenbeins an der Ansatzstelle der Achillessehne. Aus der hierdurch entstandenen Enge kann es im weiteren Verlauf zu einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis subachillae) sowie zu einer entzündlichen Verdickung der Achillessehne mit Gefahr der Degeneration und Ruptur kommen. Verstärkender Faktor ist zu enges Schuhwerk. Bei intakter Achillessehne besteht die primäre konservative Therapie in der Einnahme von Schmerzmitteln mit antientzündlicher Komponente, Anpassung des Schuhwerks sowie physiotherapeutischer Beübung und Stosswelle.
Bei nachgewiesenem Sehnenschaden oder frustranem konservativen Behandlungsverlauf sollte eine operative Therapie in Betracht gezogen werden. Diese besteht in der offenen Entfernung der Haglund-Exostose. Hierfür wird die Achillessehne in Längsrichtung gespalten, der entzündlich veränderte Schleimbeutel entfernt und die Haglund-Exostose abgetragen. Abschließend muss ggf. die Sehne mit einer Knochennaht oder einem Fadenanker refixiert werden.
Die Nachbehandlung ähnelt der der Achillessehnenruptur.
Impingementsyndrom des oberen Sprunggelenkes
Das obere Sprunggelenk setzt sich zusammen aus Malleolengabel (unteres Ende des Schien- und Wadenbeins) und Sprungbein. Beim Impingementsyndrom handelt es sich um eine mechanische Blockade, die die Beweglichkeit des Sprunggelenks einschränkt. Ursächlich hierfür ist die Einklemmung von Weichteilen oder knöchernen Strukturen. Dieses kann u.a. zu bewegungsabhängigen Schmerzen führen. Die Behandlung umfasst die arthroskopische Entfernung der einklemmenden Strukturen. Die Arthroskopie ist ein minimalinvasives Verfahren, bei der eine spezielle optische Sonde über einen kleinen Hautschnitt in das Gelenk eingeführt wird. Über einen weiteren Hautschnitt wird dann die Blockade videogestützt mittels einer Fräse/ einem Shaver entfernt. In manchen Fällen muss auf ein offenes Verfahren gewechselt werden, das heißt das Gelenk wird vollständig eröffnet. Grundsätzlich darf der Patient/ die Patientin nach der Operation sofort voll belasten, in der Regel sind jedoch zwei Wochen Teil- oder Entlastung an Unterarmgehstützen nötig.
Osteochondrale Läsionen des oberen Sprunggelenks
Hierbei handelt es sich um eine Schädigung des Gelenkknorpels und ggf. auch Knochens. Ursächlich können u.a. Trauma, Überlastung, Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen sein. Die idiopathische „Osteochondrosis dissecans“ stellt die größte Gruppe der Knorpelläsionen am oberen Sprunggelenk dar. Die Patienten beklagen oft einen belastungsabhängigen und tiefen Gelenkschmerz. Chronifizieren diese Beschwerden (> 4 Wochen), sollte eine solche Pathologie abgeklärt werden, um einen frühzeitigen Gelenkverschleiß zu vermeiden. In einem geringradigen Stadium bzw. bei milder Beschwerdesymptomatik können zunächst konservative Therapiemöglichkeiten, wie körperliche Schonung, Entlastung, Schmerzmitteleinnahme und Physiotherapie versucht werden. Bei ausbleibender Besserung über 6 Monate bzw. einem höhergradigen Stadium, besteht die Indikation zur operativen Versorgung. Um den Schaden evaluieren und die operative Therapie anpassen zu können, erfolgt in unserem Haus primär eine Arthroskopie des oberen Sprunggelenks. Bei intakter Knorpeloberfläche mit darunterliegendem knöchernem Defekt, reicht oft eine Anbohrung dieses Areals aus. Dieser Eingriff wird minimalinvasiv durchgeführt, d.h. es werden lediglich kleinere Hautschnitte benötigt. Schließt der Defekt den Knorpel mit ein, muss die Defektzone ausgeräumt, ggf. Eigenknochen aus dem Schienbeinkopf entnommen und in den Defekt eingebracht sowie eine Kollagenmembran eingelegt werden. Hierfür muss das Gelenk eröffnet werden. Nach der Operation sollte für 6 Wochen an Unterarmgehstützen teilbelastet und zeitnah mit der physiotherapeutischen Nachbehandlung begonnen werden.
Chronische Außenbandinstabilitäten
Diese äußern sich in einer Gangunsicherheit mit sich wiederholenden Umknicktraumata. Insbesondere bei sportlicher Betätigung können solche Ereignisse gehäuft auftreten. Konservative Maßnahmen sind u.a. Eigenreflextraining sowie propriozeptives Training. Bei anhaltender Instabilität, trotz konservativ-funktioneller Therapie, ist eine operative Stabilisierung zu empfehlen. Eine diagnostische Arthroskopie ermöglicht die Visualisierung der Bandstrukturen sowie von Begleitschäden wie z.B. Knorpelläsionen. Hieran angeschlossen ist die offene Bänderrekonstruktion. Diese werden an ihrem Ansatz abgelöst und am Knochen neu fixiert, wodurch eine deutliche Straffung etabliert werden kann. Wir empfehlen eine Ruhigstellung in einem speziellen Stiefel sowie eine Teilbelastung an Unterarmgehstützen für 6 Wochen.
Peronealsehnenpathologien
Die Peronealsehnen sind paarig angelegt (Musculus peroneus brevis und Musculus peroneus longus) und verlaufen an der Außenseite des Unterschenkels über die Hinterkante des Außenknöchels zum Fußaußenrand. Sie ermöglichen Beugung sowie Auswärtsdrehung des Fußes und Stabilisieren das Sprunggelenk. Eine Tendinopathie wird durch chronische Überbelastung hervorgerufen. Betroffen sind vor allem sportlich aktive Personen und Patienten mit Sprunggelenkinstabilität. Klinisch bestehen Druck- und Bewegungsschmerzen im Verlauf der Peronealsehnen auf Höhe des hinteren Außenknöchels. Konservativ kommen Antiphlogistika (NSAR), das Tragen eines Fersenkeils mit Außenranderhöhung sowie Physiotherapie (Dehnungsübungen, Elektrotherapie) infrage. Operativ wird eine Tenosynovialektomie der Sehnenscheide, sprich eine Entfernung entzündlichen Gewebes durchgeführt. Die Sehnen werden im Anschluss daran inspiziert und entsprechend des Befundes chirurgisch ausgedünnt und/ oder vernäht. Bei einer Verletzung der Sehne mit einem Durchmesserverlust von > 50% muss die Sehne abgesetzt und mit der Partnersehne vernäht werden. Bei der Peronealsehnenluxation kommt es zu einem Herausrutschen einer (i.d.R. der langen Peroneussehne) oder beider Peronealsehnen aus ihrer Führungsrinne am Hinterrand des Außenknöchels. Operativ kann eine Raffung des Halteapparates (Retinaculum superius) und/ oder Vertiefung der Laufrinne zum Erfolg führen. Die Nachbehandlung richtet sich nach der entsprechenden Pathologie und erfolgt grundsätzlich in einem orthopädischen Stiefel für 6 Wochen unter Teil- oder Entlastung.
Ziel unserer Behandlung
Unabhängig von der Erkrankung verfolgen wir immer das gleiche Ziel: Schmerzen lindern, Funktion erhalten oder wiederherstellen und Ihnen die Sicherheit im Alltag zurückgeben. Welche Behandlung für Sie die richtige ist, besprechen wir ausführlich bei der ambulanten Vorstellung – verständlich, individuell und gemeinsam mit Ihnen.

