140 Jahre Klinikum Bad Hersfeld (1872 - 2012)

Der lange Weg zur modernen Medizin

Krankheit und Armut auch bei uns

Krankheit und Armut sind zeitlos. Durch Hungersnöte, schlechte Ernährung und mangelhafte Hygiene ging im Mittelalter die Armut mit Krankheit eine verhängnisvolle Verbindung ein.
Pest, Cholera und andere Seuchen wüteten auch hier bei uns – teils mehrfach und jahrelang. Ausgehend von Ordensbrüdern und kirchlichen Institutionen entstanden an wenigen zentral gelegenen und größeren Orten Hospitäler. Beispiel dafür ist die erste bescheidene Hospitalgründung Elisabeths von Thüringen im Jahre 1228. Ein Hospital stand für eine Mischform von Einrichtungen, worin Kranke gepflegt wurden oder gebrechliche, alte und mittellose Menschen Versorgung fanden.
In Hersfeld wurde am 3. Oktober 1239 ein Hospital gegründet. Im 15. Jahrhundert waren zwei Spitalmeister für die Versorgung hilfsbedürftiger Hersfelder Bürger eingesetzt. Wirtschaftsgebäude, Ställe und Gärten sollten die leibliche Versorgung sichern. Die Lepra, eine der schrecklichen Geißeln im Mittelalter, war einer der Gründe für den Bau einer weiteren Spitalform; nämlich der Bau eines Siechenhauses außerhalb der Stadtmauern. Hinzu kam im 18. Und 19. Jahrhundert die Cholera und andere ansteckenden Krankheiten, die offensichtlich von durchmarschierenden Truppen in Hersfeld eingeschleppt wurden.
Immer wieder hatte der Rat der Stadt Hersfeld über die Einrichtung eines zentralen Krankenhauses beraten. Aus Geldmangel konnten die Planungen jedoch nicht umgesetzt werden.

1872: Krankenhaus in Hersfeld in der Friedloser Straße gebaut

Erst durch einen Beschluss des Hersfelder Kreistages vom 10. März 1869 wurde die Grundlage für den Bau, die Finanzierung und die Verwaltung des Hersfelder Krankenhauses geschaffen. In den Jahren 1870 und 1871 wurde das Krankenhaus in der Friedloser Straße (heute Landratsamt) erbaut und am 10. Februar 1872 eingeweiht. Der Neubau bestand aus einem Hauptgebäude und einer Baracke und kostete rd. 27.400 Taler. Wenige Tage vor der Inbetriebnahme war Landrat Florius Auffahrt vom Kreistag ermächtigt worden, das Krankenhaus dem Bezirksverband in Kassel und damit in das Eigentum des Landes „zu überweisen“. Damit wurde das Krankenhaus als Landkrankenhaus betrieben (ab 1927 Landeskrankenhaus).
In den folgenden Jahren wurde das Haus immer wieder umgebaut und erweitert.

Weitere Um- und Neubauten am Standort Friedloser Straße

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurden Räume der Privatklinik Wigbertshöhe angemietet und die bereits nach der Jahrhundertwende begonnene Diskussion über weitere Erweiterungen am bisherigen Standortes oder den Neubau eines Krankenhauses an einem anderen Standort fortgesetzt. Man entschied sich für größere Umbauten und für einige Neubauten am alten Standort.
Am 1. April 1937 fand der Übergang des Landeskrankenhauses auf den Kreis Hersfeld statt und führte den Namen Kreiskrankenhaus Hersfeld.

Schwierige Zeiten nach 1939

Durch die Reservierung von Betten für die Deutsche Wehrmacht kam es bereits ab Juni 1939 im Kreiskrankenhaus immer wieder zu erheblichen Belegungsengpässen. Es wurden die Krankenhaus-Außenstelle in der Hersfelder Dudenstraße eingerichtet und Lazarett-Einrichtungen in Niederaula (Schule) sowie in Niederaula (Schloss) geschaffen. Darüber hinaus wurden in fast allen Hersfelder Schulen und in zahlreichen Privathäusern geeignete Räume als Lazarett genutzt. Auch das Sanatorium Wigbersthöhe diente in den Kriegsjahren als Lazarett und wiederum als Außenstelle des Kreiskrankenhauses

Anfang der 1950er Jahre: Neubaupläne reifen

Als sich nach dem 2. Weltkrieg die allgemeinen und wirtschaftlichen Verhältnisse normalisierten, reiften in den Gremien des Landkreises Hersfeld Pläne für einen Krankenhaus-Neubau.
Insbesondere Landrat Edwin Zerbe und der Hersfelder Landtagsabgeordnete Jakob Göbel setzten sich vehement für einen Neubau ein. Schließlich ereignete sich am 2. Juli 1955 in Heringen (Wintershall) ein Clorgasunglück. Die über 50 verletzten Personen wurden von dem damaligen Hessischen Ministerpräsidenten Dr. Georg-August Zinn im Kreiskrankenhaus besucht. Er versprach Landrat Zerbe Unterstützung für einen Neubau, nachdem er sich von den unzureichenden Verhältnissen im überbelegten Krankenhaus einen Eindruck verschaffen konnte.

1956/1959: Mit dem Neubau auf dem Wendeberg begann die erfolgreiche Klinikgeschichte

Am 14. Juli 1956 fand die Grundsteinlegung am heutigen Standort Seilerweg 29 statt.
Am 1. Oktober 1959 konnte das „erste neue kommunalen Krankenhaus in Hessen nach dem 2. Weltkrieg“ eingeweiht werden. Nunmehr konnte das Hilfskrankenhaus in der Dudenstraße und konnten alle noch in Gebäuden an der Friedloser Straße untergebrachten Stationen und Abteilungen im Neubau auf dem Wendeberg untergebracht werden.
Die gesamten Baukosten betrugen 9.603.750 DM. 610 Betten in 6 bzw. 7 Geschossen in absoluter Ruhelage und mit herrlicher Aussicht standen nun den Patienten aus der Region zur Verfügung.
Am 4. April 1960 wurde der Grundstein für ein Schwesternwohnheim mit einer Krankenpflegeschule gelegt. Das Wohnheim mit einem viergeschossigen Bau bot Platz für die Oberin und 72 Schüler(innen).
Ab 1. Juli 1969 begann der Bau für ein modernes Unterrichtsgebäude und die Einrichtung eines Lehrinstitutes für Gesundheitsberufe.
Im November 1973 gab Landrat Otto Ulrich Bährens grünes Licht für den Einzug in das in der Gotzbertstraße in unmittelbarer Nähe zum Kreiskrankenhaus errichtete Appartementhaus für 87 Schwestern.
Nachdem dringliche „Vorwegmaßnahmen“ u.a. für das Zentrallabor, die Röntgenabteilung, Verwaltung und Umstellungen im Energieversorgungsbereich abgeschlossen werden konnten, erfolgte am 27. September 1977 die Grundsteinlegung für einen modernen Funktionstrakt.
Mit 16 Studenten und Studentinnen wurde im Jahre 1978 der akademische Lehrbetrieb des Kreiskrankenhauses aufgenommen.
In dem am 28. Juli 1983 von Landrat Norbert Kern eröffneten Neubau wurde die Innere Medizin mit Funktionsdiagnostik und Endoskopie, die Allgemein-Chirurgie mit Proktologie, die Unfallchirurgie mit neuer Liegendkrankenvorfahrt, die HNO- und Augenambulanz, die erweiterte Röntgenabteilung mit einem Computer-Tomographen, urologische und gynäkologische Behandlungsbereiche, die OP-Abteilung mit einer postoperativen Intensivabteilung, ein neues Zentrallabor, Zentralsterilisation, Bettenzentrale, Bereitschaftsräume und der neue Eingangsbereich mit Patientenaufnahme, Andachtsraum und Cafeteria untergebracht.
Seit August 1985 wurde im Krankenhaus die bereits in den 1970er Jahren begonnene Einführung der Datenverarbeitung mit Nachdruck weiter ausgebaut.
Im September 1986 konnte eine neue Wäscherei eingerichtet werden.
Ein völlig neuer Kreißsaalbereich nahm ab August 1987 seinen Betrieb auf.
Ab September 1993 wurde das 20-Millionen-Projekt „Bettenhaus Nord“ in Angriff genommen. Es konnte am 22. September 1995 von Landrat Alfred Holzhauer mit Abteilungen für Urologie, Augen, Hals/Nasen/Ohren und für die Geburtshilfe eröffnet werden.

Ab 1. Januar 1996: Krankenhaus wird gemeinnützige GmbH

Nach Beschlussfassung durch den Kreistag wird das Kreiskrankenhaus ab 1. Januar 1996 in der Form einer gemeinnützigen GmbH geführt. Alleiniger Gesellschafter ist der Landkreis Hersfeld-Rotenburg.
Nachdem das Kreiskrankenhaus zum 1. Januar 1999 die Trägerschaft für das Psychiatrische Krankenhaus vom Landeswohlfahrtsverband Hessen übernommen hatte, wurde am 24. September 1999 der Grundstein für eine neue psychiatrische Klinik durch Landrat Roland Hühn gelegt. Im Jahr 2002 wurden die Baumaßnahmen abgeschlossen.
Das Klinikum Bad Hersfeld wurde im Jahr 2003 als eine der ersten Kliniken in Hessen nach dem bundesweit anerkannten Verfahren KTQ zertifiziert. Im Juni 2013 wurde es zum vierten Mal in Folge für die hohe Qualität seiner Patientenversorgung ausgezeichnet.

Zur Einweihung des neuen Bettenhauses Süd am 24. Juli 2008 wies Staatsministerin Silke Lautenschläger zusammen mit Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt darauf hin, dass sich das Klinikum zu einem Maximalversorgungskrankenhaus mit 18 Abteilungen und über 24.000 stationäre Patienten im Jahr entwickelt habe. Durch die Installation eines neuen Kernspintomographen, eines Linksherzkathedermessplatzes, der Einrichtung einer Abteilung für Nuklearmedizin und der Kooperation mit dem Klinikum Fulda im Bereich der Strahlentherapie mit einem modernen Linearbeschleuniger konnte die positive Entwicklung fortgesetzt werden.
Eine neue Küche konnte im November 2011 in Betrieb genommen werden.
Das neue Bettenhaus-Ost wurde im Dezember 2012 bezogen.
Aktuell wird die Sanierung des Bettenhauses Mitte mit einer Erweiterung des bestehenden Funktionstraktes vorbereitet.

Einzelheiten in der Chronik

Weitere interessante Einzelheiten zur Geschichte des Bad Hersfelder Klinikums können der im Jahr 2012 herausgegebenen Chronik entnommen werden.

 

 

Erwerb der Chronik

Der Chronik-Band
„Klinikum Bad Hersfeld, 1872-2012 – Chronik zum 140-jährigen Jubiläum“
kann zum Preis von 19,50 € im örtlichen Buchhandel oder im Klinikum erworben werden.

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